Publiziert am 18. August 2017

Die sieben Irrtümer der dritten Säule

Lassen Sie sich nicht täuschen! 

Gerne wird die dritte Säule, also das steuerbegünstigte Sparen in der Schweizer Vorsorge-Säule 3a, in den Medien und von Vermögensberatern beworben. Aber so oft wie davon gesprochen wird, so oft werden auch kapitale Fehler in der Darstellung der dritten Säule gemacht. Die teuersten Fehler haben wir hier für Sparer ausgerechnet.

1. Irrtum Säule 3a: Zinskonto ist am sichersten

Wer dreissig Jahre in die dritte Säule einzahlt, hat bei den heute üblichen 0.5% Zinsen einen Betrag von 219’000 Franken gespart. Das hat man auf sicher. Was aber auch sicher ist, ist die Tatsache, dass man mit Sicherheit schlechter dasteht, als wenn man das Geld anders gespart hätte. Wer das Geld konservativ in Wertschriften, also zur Hälfte je in Obligationen und Aktien anlegt, der hat am Ende der dreissig Jahre 395’000 Franken auf dem Konto (bei 4% Renditen). Das sind 176’000 Franken mehr. Die Wertschriften müssten am Schluss um 44% einbrechen, um den zusätzlichen Gewinn mit Wertschriftenanlagen auszulöschen. Das ist unmöglich, lokale Kriege und globale Naturkatastrophen ausgenommen.

Es ist deshalb unmöglich, weil nur die Aktien so stark einbrechen können. Da aber die Aktien bei einer konservativen Wertschriftenanlage nur die Hälfte ausmachen, kann die ganze Anlage nur dann 44% an Wert verlieren, wenn die Aktien praktisch wertlos würden.

2. Irrtum Säule 3a: Fonds bringen mehr Rendite

Soll der Säule 3a Betrag nun in Fonds angelegt werden? Im Hinblick auf die tiefen Zinsen bei Säule 3a Bankkonten erscheint das als attraktive Möglichkeit. Allerdings macht man bei dieser Schlussfolgerung die Rechnung ohne den Wirt. Der Wirt ist in diesem Fall die Bank, welche den Fonds anbietet. Die Banken verlangen leider auf Säule 3a Fonds so hohe Renditen, dass sich das Wertschriftensparen meist gar nicht mehr lohnt. Die Kosten für Säule 3a Fonds sind so hoch, dass sie nicht nur die Hälfte, nein in vielen Fällen sogar den grössten Teil der Wertschriftenrenditen verschlingen. Im typischen Fall eines professionell geführten Säule 3a Fonds fallen nämlich rund 3% Kosten an. Das sind drei Viertel der erwarteten Rendite von 4%. Böse Stimmen behaupten sogar, dass man langfristig mit Wertschriften in Aktien und Obligationen nur noch zwei bis drei Prozent Rendite erwarten dürfte. In solchen Fällen sind die Kosten der Fonds höher als die langfristigen Renditeerwartung. Man verdient also noch weniger als mit dem Bankkonto.

3. Irrtum Säule 3a: “Totale Kosten” (“TER”) sind total, also alles

Ihre Bank behauptet, Ihr 3a Fonds kostet nichts? Diese Behauptung hört man tatsächlich immer wieder. Was die Bank gratis anbietet ist aber nur die Kontoführung. Der Fonds selbst kostet nochmals. Sogar die vielgepriesenen ETFs (Exchange Traded Fonds) kosten etwas. Schauen Sie daher auf die von Gesetzes wegen immer ausgewiesenen Totalen Kosten, abgekürzt “TER”. Der TER beinhaltet allerdings auch nur die Hälfte der Kosten. Bei aktiv geführten Fonds kommen im Durchschnitt nochmals 1.5% Handelskosten dazu, die vom Fondsvermögen abgezogen werden, ohne dass diese Kosten irgendwo für den Sparer sichtbar erscheinen. Wenn Ihr 3a Fonds einen TER von 1.2% aufweist, müssen Sie also noch 1.5% hinzuzählen. Das wären dann 2.7%. So können die Kosten leicht die ganze Rendite auslöschen. Indexfonds sind nicht viel besser. Schauen Sie dort auf den Tracking-Error und Sie erkennen, dass auch Indexfonds viel mehr kosten als der ausgewiesene TER.

4. Irrtum Säule 3a: “Ertrags-Strategie” liefert Ertrag

Fonds haben Strategien. Damit bezeichnen die Anbieter die Art und Weise wie investiert wird. Diese “Art und Weise” wird “Anlage-Strategie” genannt. Die beiden wichtigsten Strategien sind “Ertrag” und “Wachstum”. Bei der Ertrags-Strategie steht der Ertrag der Wertschriften im Vordergrund. Damit meint man den Zins oder die Dividende der Wertschriften. Meist handelt es sich dabei um Obligationen, also Anleihen von Schuldnern. Das Problem ist heute aber, dass diese Obligationen so teuer sind, dass man mehr dafür bezahlen muss, als man zurückerhält, wenn die Obligation vom Schuldner zurückbezahlt wird. Was man nicht für möglich hält, ist heute oft Tatsache: Zum beispiel bezahlt man 105 für eine Schuld, die nur zu 100 zurückbezahlt wird. Man macht also auf dem Kauf schon einen Verlust von 5. Das ist heute bei allen Staats-Obligationen der Fall. Mit anderen Worten ist der “Ertrag” der “Ertrags-Strategie” negativ. Es war schon immer so, dass Obligationen langfristig tiefere Erträge liefern als Aktien. Das macht auch Sinn, denn welche Firma würde schon eine Obligation herausgeben, wenn es billiger wäre, Aktien zu zeichnen. Weil die dritte Säule eine langfristige Sache ist, sollte man auf Ertrags-Strategien und Obligationen komplett verzichten.

5. Irrtum Säule 3a: Fonds sind sicher

Man denkt, dass Fonds sicher seien. Dabei vergisst man, dass man bei Fonds nicht die Wertschriften selbst kauft, sondern ein Finanzprodukt. Das Finanzprodukt kauft dann die Wertschriften. Das allerdings nur, wenn man genau aufpasst oder Glück hat. Denn es ist für die Anbieter der Finanzprodukt oft billiger, die Wertschriften gar nicht zu kaufen, sondern lediglich Wetten auf die Preise abzuschliessen. Anstatt, dass man Nestlé-Aktien kauft, macht man mit einer Gegenpartei eine Wette auf den Nestlé-Aktienpreis. Man nennt dies schönfärberisch “hybride” Anlagen oder “Tracking”, rsp. “Tracker Fonds”. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass diese Wetten mit einer Gegenpartei gemacht werden, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommt. Das Nachsehen hat dann der Sparer. Es ist auch denkbar, dass der Fondsanbieter die Aktien “ausleiht”. “Ausleihen” ist eine komplizierte Sache. Der Effekt ist der, dass es sein kann, dass die Aktie weg ist, wenn der Ausleiher Konkurs anmeldet. Leider ist es tatsächlich so, dass es auch 3a Fonds gibt, die hybride Strategien anwenden.

6. Irrtum Säule 3a: Gute Fonds sind gute Anlagen

Wer trotz allen Nachteilen noch immer in 3a Fonds investieren möchte, macht das meist für die falschen Gründe. Man zieht nämlich die vergangene Rendite der Fonds zu Rate und investiert in einen Fonds, der eine hohe Rendite hatte. “hatte” ist das wichtige Wort hier. Finanzfachleute wissen nämlich, dass Anlage-Strategien zyklisch sind: Das heisst, eine bestimmte Anlage-Strategie funktioniert für ein paar Jahre, dann funktioniert sie für ein paar Jahre nicht und dann funktioniert sie wieder, eben in Zyklen. Wer auf eine Anlage-Strategie setzt, die gerade gut funktioniert hat, hat deshalb eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie in Zukunft gerade nicht mehr funktionieren wird.  Aus diesem Grund betreiben die Banken immer eine Reihe von Fonds gleichzeitig, damit in jeder Phase einige ihrer Fonds eine gute Rendite aufweisen. Vergangene Renditen sind also nicht nur ein schlechtere Ratgeber (wie auf den Prospekten von Gesetzes wegen eingeräumt wird), sondern sogar ein gefährlicher Ratgeber. Achten Sie nie auf vergangene Renditen, denn diese sind gefährliche Indikatoren.

7. Irrtum Säule 3a: Steuern sparen lohnt sich immer

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man auf der dritten Säule keine Steuern zahlt. Man zahlt nämlich am Schluss bei der Auszahlung die sogenannten Kapitalleistungssteuern, die je nach Wohnsitz zwischen 8% und bis zu 20% betragen. Wer also nicht mindestens (Grenz-)Steuern in dieser Höhe hat, sollte die Finger von der dritten Säule lassen. Weil die Anlage-Kosten in der dritten Säule oft hoch sind, muss man immer zuerst berechnen, was die Spar-Anlage ausserhalb der dritten Säule kosten würde. Man muss dann den eigenen heutigen Grenzsteuersatz berechnen und vergleichen, was über die nächsten Jahre in und ausserhalb der dritten Säule herauskommt. Das haben wir hier berechnet. Nur wenn das Resultat positiv ist, lohnt sich die Anlage in der dritten Säule, sonst spart man lieber selbst.

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