Publiziert am 09. June 2017

Dritte Säule kurz erklärt

Was die dritte Säule bringt

Die dritte Säule erlaubt es Schweizer Steuerpflichtigen, Steuern zu sparen. Steuerpflichtige können in die dritte Säule einzahlen und den einbezahlten Betrag von den Einkommenssteuern abziehen. Dadurch verringern sich die Einkommenssteuern.

Das in die dritte Säule einbezahlte Geld geht in das persönliche “Säule 3a Konto”. Dort bleibt das Geld und alle späteren Zinsen und Erträge auf dem Geld steuerfrei bis man das Geld wieder vom 3a Konto abzieht. Das Geld kann man nur abziehen, indem man das ganze 3a Konto auflöst. Das Geld wird dann auf ein anderes persönliches Konto überwiesen. Die Auszahlung ist nur möglich, wenn:

  1. Das Pensionsalter erreicht ist.
    oder

  2. Das Geld für Wohneigentum eingesetzt wird, also zum Kaufen von Wohneigentum oder zur Abzahlung von Hypotheken.
    oder

  3. Die Schweiz verlassen wird, man sich also vollständig von der Schweiz abmeldet und den Wohnsitz ins Ausland verlegt

Der zweite Grund, also die Auszahlung für Wohneigentum, kann nur alle fünf Jahre geltend gemacht werden. Alle fünf Jahre kann das gesamte Konto zugunsten von Wohneigentum ausbezahlt werden. Für Eigenheimbesitzer ist das wichtig, denn so lässt sich der ganze Steuervorteil schon nach wenigen Jahren realisieren. Im Durchschnitt liegt das Geld dann nur zweieinhalb Jahre auf dem Konto, der zuletzt einbezahlte Jahresbetrag sogar unter Umständen nur ein paar Monate.

Wenn die Auszahlung erfolgt, dann werden Kapitalleistungssteuern fällig. Es ist also nicht so, dass man auf der dritten Säule überhaupt keine Steuern bezahlt, man bezahlt lediglich weniger und später. Es kann aber auch sein, dass die späteren Steuern höher sind als die heute gesparten Steuern. Deshalb lohnt es sich, zuerst abzuklären, ob sich der Steuervorteil überhaupt lohnt.

Steuervorteil der dritten Säule lohnt sich nicht immer

Ob sich der Steuervorteil lohnt, muss jeder einzelne selbst berechnen. Das ist der erste Schritt, der oft vergessen wird. Der Steuervorteil der Säule 3a lohnt sich nur, wenn die heute gesparten Steuern höher sind, als die später zu zahlenden Steuern, wenn die dritte Säule aufgelöst wird. Um das zu berechnen, braucht man zwei Dinge:

  1. Die heute gültigen Grenzsteuern auf dem Einkommen

  2. Die vermutlich am Schluss der Sparzeit zu zahlenden Kapitalleistungssteuern

Bei dieser Rechnung sieht man den ersten Haken der dritten Säule. Wir können heute nicht wissen, welche Kapitalleistungssteuern am Schluss der Sparzeit anfallen, denn man muss erstens wissen, wo man wohnen wird, wenn die dritte Säule aufgelöst wird und zweitens die dann relevanten Kapitalleistungssteuern kennen. Gerade die Kapitalleistungssteuern sind problematisch, denn es ist durchaus möglich, dass sie in Zukunft ansteigen. Das ist also schon mal ein Risiko, das sich nicht eliminieren lässt. Wenn der Steuervorteil also gering ist, dann sollte man die dritte Säule wegen diesem unabschätzbaren Risiko nicht machen.

Berechnung der Grenzsteuern auf dem Einkommen

Um zu beurteilen, ob der Steuervorteil gross genug ist, berechnen wir den Steuervorteil aufgrund der heute gültigen Steuersätze. Um die Grenzkosten zu berechnen, geht man wie folgt vor:

  1. Auf Basis der eigenen Steuerrechnung berechnet man die effektiven Steuern als Frankenbetrag. Dafür googlet man die in der Wohngemeinde anfallenden Steuersätze.

  2. Nun erhöht man das Einkommen um einen Franken und berechnet wieder den exakten Frankenbetrag.

  3. Man berechnet die Differenz in den Steuern und teilt diese Differenz durch einen Franken. Nun weiss man, wieviel Steuern man auf einen zusätzlichen Franken bezahlt. Das ist nun ein Prozentbetrag und wird Grenzsteuersatz genannt.

  4. Danach googelt man den Steuersatz auf Kapitalleistungen (=Kapitalleistungssteuersatz) für die Wohngemeinde, wo man mit 65 sehr wahrscheinlich wohnen wird und zwar für den Betrag von 100’000 Franken weil man über die Jahre wohl diesen Betrag in der Säule 3a anspart.

  5. Nun kennt man den Grenzsteuersatz heute und den zukünftigen Steuersatz auf Kapitalleistungen. Die Differenz Grenzsteuersatz - Kapitalleistungssteuersatz ist der Steuervorteil der dritten Säule.

Wenn dieser Steuervorteil klein ausfällt gibt es drei wichtige Gründe, warum man auf die dritte Säule verzichten sollte:

  1. Die Anlagemöglichkeiten in der dritten Säule sind - mit Ausnahme der Obermatt Dritten Säule - sehr teuer.

  2. Das Geld ist in der dritten Säule stark gebunden und kann bis zur Pensionierung in der Regel nicht verwendet werden.

  3. Die Steuern auf Kapitalleistungen könnten in Zukunft noch ansteigen.

Wenn der Steuervorteil unter 20% liegt, ist es fragwürdig, ob man in die dritte Säule einzahlen soll. Unter 10% lohnt es sich nur, wenn man unfähig ist, selbst zu sparen. Sie können das alles mit Ihrer eigenen Tabellenkalkulation nachrechnen.

Warum lohnen sich 10% Steuerersparnis nicht?

Man darf nicht vergessen, dass der Steuervorteil nur einmal anfällt, dass die Kosten der dritten Säule aber jedes Jahr anfallen. Man muss den Steuervorteil also durch die Anzahl noch verbleibenden Jahre teilen, um den jährlichen Steuervorteil zu berechnen. Nur dieser Steuervorteil sollte mit den jährlichen Kosten der Anlagemöglichkeiten der dritten Säule verglichen werden. Aus diesem Grund haben Wohneigentümer den Vorteil, dass sie das Geld alle drei Jahre aus der dritten Säule nehmen können. Sie müssen also den Steuervorteil nur durch 5 teilen, genau genommen nur durch 2.5 weil das Geld im Durchschnitt 2.5 Jahre auf dem Konto liegt, wenn man jedes Jahr einzahlt und nach fünf Jahren alles auszahlt. Deshalb lohnt sich die dritte Säule vor allem für Hausbesitzer.

Zurück zu allen News

Weitere Beiträge


Die sieben Irrtümer der dritten Säule

Lassen Sie sich nicht täuschen!  Gerne wird die dritte Säule, also das steuerbegünstigte Sparen in der Schweizer Vorsorge-Säule 3a, in den Medien und von Vermögensberatern beworben. Aber so oft wie davon gesprochen wird, so oft werden auch kapitale Fehler in der Dars...
Weiterlesen

Japan verliert nicht zwei Jahrzehnte

Kapital in Japan fast verdoppelt Nach Italien, Spanien und Portugal kommen wir heute zum dritten und grössten Irrtum der Aktienanleger: Japan’s verlorene zwei Jahrzehnte. Wir haben die letzten beiden Jahrzehnte genauer analysiert. Es stimmt zwar, dass der japanische Aktienindex von...
Weiterlesen

Gründungsmitglied werden

Obermatt gründet die erste Genossenschaft für Ihre private Altersvorsorge, damit Sie es selbst in der Hand haben. Mindestens 1000 Gründungsmitglieder werden benötigt. Bekunden Sie jetzt unverbindlich* direkt online Ihr Interesse und seien Sie dabei. Wie schicken Ihnen regelmässig Neuigkeiten zur Genossenschaft.

*Sie entscheiden nur im Erfolgsfall, ob Sie definitiv dabei sein möchten.