Publiziert am 28. September 2017

Abzockerei Säule drei: Schläft der Preisüberwacher?

Hohe Säule 3a Fonds-Kosten

Die dritte Säule sollte das Sparen günstig machen. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Fonds der dritten Säule mit Index-Anlagen des freien Sparens verglichen werden, dann tut sich ein grosser Kosten-Graben auf, der sich über die Jahre auf über 70'000 Franken aufsummiert. Wer 30 Jahre spart, hat in der dritten Säule über 70'000 Franken weniger Endkapital, als wenn ausserhalb der dritten Säule gespart worden wäre.

Im Video zeigen wir, wie die Abzockerei der Säule 3 zustande kommt: 

Säule 3a Fonds-Kosten das Vierfache vom freien Markt

Wir haben die Kosten, die sogenannte Total Expense Ratio, der 3a Fonds den Index-Angeboten gegenübergestellt, die für langfristige Anlagen wie der dritten Säule von Finanzexperten empfohlen werden (Abbildung unten). Mit Ausnahme eines einzigen 3a Fonds, der im übrigen primär in Obligationen investiert ist, sind alle Fonds der dritten Säule teurer als die Index-Fonds (gemessen am TER von ETF-Fonds der grössten Schweizer Anbieter).

 

 

Im Durchschnitt sind Säule 3a Fonds 0.83% teurer als die Index-Fonds oder fast das Vierfache. Das hört sich wegen den kleinen Prozentsätzen nach wenig Geld an, ist es aber nicht. In der dritten Säule und den Freizügigkeitskonten sind 29 Milliarden Franken angelegt. 0.83% von 29 Milliarden sind stolze 240 Millionen, die jedes Jahr vom Sparer abgezockt werden. Die wahre Abzockerei geschieht in der Säule drei.

100'000 Franken Kosten in jedem 3a Fonds Konto

Für das einzelne 3a Konto sieht es schlimm aus. Wer jährlich die zugelassenen 6’867 Franken in die dritte Säule einzahlt, hat nach dreissig Jahren unglaubliche 106’000 Franken an Fonds-Kosten verloren. Das sind 76’000 Franken mehr, als wenn das Geld in Index-Fonds auf dem freien Markt angelegt worden wäre (Abbildung unten, Annahme 6% Rendite eines 75% Aktien-Fonds, da langfristige Anlagen wie die dritte Säule primär in Aktien erfolgen sollten).

 

 

Wer sich über die Abzockerei bei den CEO Löhnen aufregt, muss sich hier noch viel mehr aufregen, denn die Abzockerei der Säule drei bezahlt man mit dem eigenen Ersparten.

Warum wohl der Preisüberwacher dieses Problem nicht sieht? Wenn die 106’000 Franken durchschnittliche Gebühren auf die 30 Jahre umgelegt werden, dann sind das mehr als 3’000 Franken pro Jahr, die in der dritten Säule fürs Sparen bezahlt werden. Man zahlt jedes Jahr rund 7'000 Franken ein und bezahlt dafür - auf Einzahlung und Kapitalvermehrung - 3'000 Franken Gebühren. Die Zahlen lassen sich mit der Tabellenkalkulation im Beitrag Säule 3a Steuervorteil gut für Hausbesitzer schlecht für alle unter 55 selbst nachrechnen.

In vielen 3a Konten sieht es noch schlimmer aus

Wir haben hier nur Durchschnittswerte gerechnet. Bei den teuersten 3a Fonds kann auch gut das Doppelte und bis zum Dreifachen davon abgezockt werden, denn neben den TER-Kosten fallen auch noch fondsinterne Transaktions-Kosten an, die im TER nicht ausgewiesen werden.

Wir haben bei den grössten 3a Fonds-Anbietern bezüglich diesen internen Transaktions-Kosten nachgefragt. Kaum jemand will dazu Auskunft geben. Studien weisen aber nach, dass solche internen Fonds-Kosten bei aktiv bewirtschafteten Fonds nochmals im Durchschnitt 1.6% pro Jahr kosten. Hinter vorgehaltener Hand hat ein Branchenkenner bemerkt, dass in den 3a Fonds rund 3% Totalkosten enthalten sein dürften. Das ist soviel wie die gesamte Renditeerwartung, denn viele 3a Konten sind gemischt investiert, also in Aktien und Obligationen. Von solchen Portfolios kann man langfristig nur rund 3% Rendite erwarten. Damit geht die ganze Rendite an den Fonds-Betreiber. Der Anleger hat nur das Risiko, die Bank den ganzen Gewinn.

Die Tragweite der Abzockerei in der Säule drei ist schlicht und einfach unerhört. Der Gesetzgeber hat zwar  vorgesehen, dass wegen der Steuerersparnis in der steuerlich begünstigten Vorsorge keine Gewinne gemacht werden sollen. Deshalb wurde vorgeschrieben, dass gemeinnützige Stiftungen verwendet werden. In der Praxis sieht es aber komplett anders aus, denn sonst liessen sich die Kosten-Unterschiede zwischen Säule drei und freiem Markt nicht erklären.

Eine bessere Lösung

Jeder sollte daher zuerst nachrechnen, ob sich die Einzahlung in die dritte Säule überhaupt lohnt und wenn es nichts bringt, dann sollte man das Geld lieber selber anlegen. Der Steuernachteil wird schnell wett gemacht. Nur gerade für gut verdienende Eigenheimbesitzer lohnt es sich praktisch immer, in die dritte Säule einzuzahlen - aber nur, wenn man das Geld konsequent alle fünf Jahre für die Abzahlung der Hypothek wieder herausnimmt.

Es geht aber auch besser. Eine gemeinnützige Genossenschaft könnte ein viel besseres 3a Angebot auf den Markt bringen. Sie können jetzt Ihr Interesse bekunden und später entscheiden, ob Sie auch Mitglied werden wollen. Zeigen Sie Interesse an einer besseren Säule Drei und füllen Sie dazu das Kontaktformular unten aus.

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